• Roland Hohberg

0,0015 Prozent getestet

Updated: Apr 9

Die Welt ist verblüfft über die positiven Statistiken aus einem der ärmsten Länder Afrikas. Offiziell gibt es in Mosambik, mit Stand vom 7. April lediglich 10 Infizierte. Doch sind diese Zahlen mehr als trügerisch, denn bislang wurden auf eine Million Einwohner gerechnet nur 15 getestet. Oder anders ausgedrückt: 0,0015 % der mosambikanischen Gesamtbevölkerung von knapp 30 Millionen. Eine hohe Dunkelziffer ist in post-kommunistischen Ländern nicht überraschend. Auf eine Million Einwohner kommt hier in Mosambik nur ein Notbeatmungsgerät. Diese würden also nicht mal für die politische Elite des Landes reichen, die ausnahmsweise nicht zur Behandlung ins Ausland flüchten kann. Besorgniserregend kommt hinzu, dass im Südlichen Afrika Millionen Menschen mangelernährt sind, viele HIV-positiv, an Tuberkulose oder Malaria erkrankt. Bei einer Ansteckung würden sie den Kampf gegen COVID-19 mit einem bereits geschwächten Immunsystem aufnehmen, auch wenn noch nicht bekannt ist, wie sich COVID-19 konkret auf diese Patienten auswirkt. Sorge bereitet jedoch nicht nur das marode Gesundheitssystem sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung des krisengeschüttelten Landes. Die Lage in Mosambik ist bereits durch den Finanzskandal seiner korrupten Regierung extrem kritisch. Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit sind hoch. Existenzängste gibt es überall auf der Welt, doch hier geht es bald um das blanke Überleben, denn Lebensmittelvorräte haben die wenigsten. Vielerorts war die Ernte durch Dürren, die verheerenden Zyklone und Überschwemmungen vernichtet worden. Insofern sind die Menschen auf Hilfe angewiesen. Diese aber ist in Zeiten von Corona schwer zu bekommen, weil auch die klassischen Geberstaaten mit der Krise im eigenen Land kämpfen. Vor einer Woche hat die Regierung nun den Katastrophenfall ausgerufen und Schulschließungen, Versammlungsverbote und Einreisestopps angeordnet. Doch die in Kraft getretenen Schutz- und Hygienemaßnahmen sind gerade für die Armen kaum umsetzbar. Wie sollen diese Menschen sich selbst schützen oder sozial isolieren, wenn sie ohnehin ums tägliche Überleben kämpfen, in überfüllten Kleinbussen, auf Märkten und Straßen?