• Roland Hohberg

10 Jahre ohne Dich

Ich will nicht langen nach dem lauten Leben

und keinen fragen nach dem fremden Tage:

Ich fühle, wie ich weiße Blüten trage,

die in der Kühle ihre Kelche heben.


Es drängen Viele aus den Frühlingserden,

darinnen ihre Wurzeln Tiefen trinken,

um nicht mehr könnend in die Knie zu sinken

vor Sommern, die sie niemals segnen werden.


Diese Zeilen Deines Lieblingsgedichts von Rilke wiesen auch mir den Weg in andere Welten.


Wir hätten Heimat finden können.


Doch Deine Flucht aus Breslau endete wenige Kilometer vor der späteren innerdeutschen Grenze, ausgerechnet dort wo die Sowjetarmee nach Kriegsende einen ihrer größten Stützpunkte errichtete.


Zu allem Unglück scheiterte auch noch Dein Fluchtversuch, weil er Dich verriet dieser kommunistische Stasi-Untertan, der seinen Namen in meiner Geburtsurkunde verewigte, als hätte er das Recht erworben, sich mein Vater zu nennen.


So wurde auch ich heimatlos, vaterlos, doch nie herzlos.


Bis zum Abschiedstag war ich beseelt vom Wunsch Dich eines Tages bei mir zu haben, statt im Altersheim zu sterben - allein, wie ungeliebt, und ohne Grab.


Bitte verzeih mir.


Ich danke Dir für all die Liebe die ich erfahren durfte.