• Roland Hohberg

Als Nazi verjagt - Als RB-Fan empfangen - Wie ein Nazi behandelt - RB-Fan geblieben

Updated: Jun 11



Als Nazi verjagt


1990 wurde ich aus meiner Wohnung in Leipzig Connewitz getrieben, die ich seither nie wieder betreten habe.


Zu der Zeit wohnte ich in der “Stö”, die damals noch Stöckartstraße hieß, einer No-Go-Area die oft als die vielleicht gefährlichsten 80 Meter Deutschlands bezeichnet wird.


Im Haus mit der Nummer 9 leitete ich ehrenamtlich den “Connewitzer Alternative e.V.” und wurde zur Zielscheibe für autonome Gewalt im Namen des Antifaschismus, Antikapitalismus und der Anti-Gentrifizierung.


Ein Korrespondent aus dem Westen hatte mich, Geschäftsführer des eingetragenen Vereins mit 14 Häusern, in einem Beitrag für die Neue Presse Hannover, als “größter Hauseigentümer nach der Gebäudewirtschaft Leipzig” bezeichnet.


Linke Medien legten nach und schürten Hass gegen den enttarnten, kapitalistischen Wohnungsunternehmer, der perfekt in ihr Feindbild passte, und verbreiteten das Gerücht, ich sei als Stasispitzel beauftragt die sich formierende Antifa-Bewegung zu unterwandern.


Dabei gehörte ich nach meinem Austritt aus der SED, dem Verlust meines Arbeitsplatzes, der Verweigerung des Armeedienstes und der Beantragung der Ausreise aus der DDR jahrelang zur Gruppe der sogenannten “Schwarzwohner”.


Ohne Anspruch auf eigenen Wohnraum und ohne offizielle Zuweisung, verbrachte ich die Jahre in Leipzig in alten, oftmals baufälligen Wohnungen, auf gepackten Koffern und streng von der Stasi überwacht.



Für die sich zunehmend radikalisierenden Anarchisten wurde ich auch noch zum Nazi, weil ich für ein Filmteam aus Maputo Interviews mit Leipziger Rechten zu den Gründen ihrer Ausländerfeindlichkeit gegenüber Vertragsarbeitern aus Mosambik vermittelte.


Nachdem ich mich später im Leipziger Rathaus für die Absage des deutsch-deutschen “Vereinigungsspiels” im Zentralstadion einsetzte, wurde ich von den zur Schlacht mit den westlichen Hooligans kampfbereiten Linksradikalen für immer aus meiner Wohnung und aus Connewitz vertrieben.


Dazu ein Ausschnitt meines Beitrags “Das abgesagte Fußballfest”



Das abgesagte Fussballfest
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Als RB-Fan empfangen


Fast drei Jahrzehnte später kehrte ich im Mai 2018 zum ersten Mal für einen längeren Aufenthalt nach Leipzig zurück und wohnte drei Wochen bei einem Freund.


Zuvor hatte ich in meiner Wahlheimat Mosambik einen Fanclub des Bundesligaaufsteigers RB Leipzig gegründet und nun zum ersten Mal die Möglichkeit, ein Spiel in dem Stadion zu sehen, das ich noch als Zentralstadion kannte.



Um auch Fußballbegeisterten in Mosambik zu ermöglichen die Spiele von RB Leipzig zu verfolgen und den Verein in Afrika bekannter zu machen, investierte ich privat in den Empfang der Spielübertragungen und den Bau eines Clubraums.



Landesweit als sozial engagierter Aktivist für die Rechte von Kindern und die Talenteförderung bekannt, hoffte ich mit unserem Fanclub und lokalen Organisationen durch die Vermittlung von Spenden und Patenschaften zwei benachbarten Waisenzentren zu helfen.



Zusätzlich sollte eine Gästelodge für RB-Fans aus Leipzig nicht nur eine Urlaubsoption mit kostenloser Übernachtung bieten, sondern auch die Möglichkeit, die Entwicklung unserer sozialen Projekte vor Ort zu verfolgen.


Internationale Medien und deutsche Fernsehanstalten berichteten über unsere Initiativen. Trainer und Spieler äußerten sich positiv.



Mit der Fanbetreuung wurde vereinbart, zu Beginn der neuen Saison im Stadion eine Sammelaktion zu organisieren. Dazu sollte ich vier Monate später erneut nach Leipzig fliegen, um nach einer kurzen Vorstellung unseres Fanclubs im Stadion die Anerkennungsurkunde als OFC entgegenzunehmen.


Dazu aber kam es nicht. Zwar flog ich im Herbst 2018 zum zweiten Mal nach Leipzig, doch wurde mir im Büro der Fanbetreuung mitgeteilt, dass die Becherpfand-Sammelaktion und OFC-Anerkennung abgesagt wurden.



Wie ein Nazi behandelt


Über den Grund der Absage, die mir nicht vor meiner Reise kommuniziert wurde und somit hohe Kosten verursachte, erfuhr ich erst ein Jahr später bei einem Grillfest auf der Festwiese.


Alles begann 2018 mit meiner Kritik an der Politisierung des Sports. Demnach hätte ich mich bei der Debatte in den Sozialen Netzwerken zum Thema “Politik im Stadion” nach Auseinandersetzungen zwischen RB-Fangruppen nicht klar genug von einer vermeintlich rechten Gruppe distanziert.


Zudem wurde durch einen Fanbetreuer aufmerksam registriert, dass ich mich in der Halbzeitpause des letzten Heimspiels der Saison 2017/2018 im B-Block mit Mitgliedern dieser, nach Aussagen des Fanbetreuers bereits vom Verein abgemahnten Gruppe unterhalten habe.



Im Mai 2019 zog ich nach dem Pokalfinale in Berlin weiteren Ärger auf mich. Nachdem ein Freund zwei Eintrittskarten mit Bus- und Bootsfahrt bei besagter Fangruppe gekauft hatte, war ich den ganzen Tag mit ihnen unterwegs und stand am Eingang zum Olympiastadion daneben als es zu einer Schlägerei kam.


Aufgrund dieser Vorfälle wurde ich als durch die Medien sehr bekannter Vertreter des einzigen RB-Fanclubs auf dem afrikanischen Kontinent nach der Absage der Sammelaktion und OFC-Anerkennung im Jahr zuvor, nun noch mehr diskriminiert.



Vertreter der Fanbetreuung und des Fanverband e.V. verwehrten die Unterstützung für die Genehmigung des im Juni 2019 auf der Festwiese geplanten Mosambik-Tags, für den meinerseits bereits zahlreiche Vorbereitungen getroffen waren, inklusive der Medienberichterstattung durch die LVZ und den MDR.


Obwohl das Mosambik-Fest mehrere Wochen später in kleinerem Rahmen an einem anderen Ort stattfand, musste aufgrund fehlender öffentlicher Wirkung die für den Herbst 2019 geplante Sammelaktion mit einem Containertransport für zwei Waisenzentren in Mosambik abgesagt werden.



Während meines 10-wöchigen Aufenthalts in Leipzig verweigerten Vertreter des Fanverband e.V. die für Juni 2019 vereinbarte Übergabe der Spenden für unsere zwei Partnerorganisationen in Mosambik, die im Rahmen der Aktion “RB Fans mit Herz” bereits im März 2019 im Fantreff gesammelt und in die öffentliche Spendenliste aufgeführt wurden.


PDF Kommunikation mit dem Fanverband e.V.


Kommunikation_Fanverband
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Als Begründung wurde mir beim Grillfest mitgeteilt, dass mir Mitglieder eines RB-Fanclubs vorgeworfen hätten, Spenden veruntreut zu haben. Auf meine Bitte, mir Namen zu nennen, um zu den Vorwürfen Stellung nehmen zu können, wurde nie reagiert.


Stattdessen wurden Gerüchte in die Welt gesetzt, ich hätte bereits hinreichend Unterstützung von RB Leipzig erhalten und den Fanclub in Mosambik nur gegründet um vom Verein Gelder zu bekommen.


An der Diffamierungskampagne, nah am Straftatbestand übler Nachrede und öffentlicher Verleumdung, wirkte neben Vertretern des Fanverband e.V. und der Fanbetreuung auch ein SPD-Landtagskandidat aus Dresden mit.


Der Leiter eines staatlich finanzierten Migrationsvereins hatte für die Sammelaktion ein Spendenkonto zur Verfügung gestellt, da einige Fans eine Spendenquittung zur Abrechnung beim Finanzamt benötigten.


Obwohl ich mit Publikationen auf unserer Webseite und in sozialen Netzwerken, bei Treffen mit Leipziger Fanclubs und mit der Einladung zum Mosambik-Fest stets um Transparenz bemüht war und ich alle Abrechnungsunterlagen vorweisen konnte, zog ich es vor keine öffentliche Diskussion zu entfachen.



Aufgrund dieser Vorfälle habe ich seit 2019 bewusst nicht mehr um Unterstützung für unsere sozialen Projekte in einem der ärmsten Länder der Welt und beim Wiederaufbau unseres im Herbst 2019 bei einem Orkan zerstörten Vereinslokals geworben.



Die finanzielle Situation schränkte unsere ehrenamtliche Arbeit so sehr ein, dass ich im Juni 2021 die Auflösung unseres Fanclubs verkünden musste.


Ich tat dies mit einer kurzgehaltenen Information auf unserer offiziellen Webseite und äusserte mich erst auf Anfrage von RB Fans mit einer Stellungnahme zu den Gründen für das finanzielle Scheitern.


Die Reaktion darauf zeigt, dass die Wirkung der in der RB-Fanszene verbreiteten Gerüchte bis heute unvermindert anhält und der entstandene Vertrauensverlust ein solidarisches Miteinander extrem erschwert.


PDF - Stellungnahme


Stellungnahme RB Fanclub Mosambik
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RB-Fan geblieben


Die Auflösung des RB Fanclubs in Mosambik hat keine Auswirkungen auf meine Liebe zum Verein, die Pflege von Fanfreundschaften, meinen persönlichen Einsatz für die Vermittlung von Patenschaften für bedürftige Kinder und den Aufbau unserer Gästelodge, die ab Dezember 2021 kostenlose Übernachtung und Reiseunterstützung für RB Fans bietet.



Mosambik, Juni 2021



Wer meine Arbeit in Mosambik unterstützen möchte oder Fragen zu den sozialen Projekten hat, kann gern das Kontaktformular benutzen.