• Roland Hohberg

Daheim bleiben ohne ein Daheim

Updated: Apr 9

Keine Regel ohne Ausnahme. Kein Ausnahmezustand ohne Regelverstöße. In kaum einer Stadt Afrikas gibt es so viele Straßenkinder wie in Maputo. Jetzt, da sich die Straßen wegen der verordneten Coronamaßnahmen etwas lichten, fallen sie im Stadtbild besonders auf. Normalerweise sind sie in ihren Revieren kaum von Straßenverkäufern und Tagelöhnern zu unterscheiden. Wie diese tragen auch sie nicht selten ein T-Shirt berühmter Fußballer wie Messi oder Ronaldo. Noch sinken die Temperaturen nachts kaum unter 20 Grad. Die Kinder der Straßen von Maputo brauchen noch kein Feuer zum Aufwärmen und keine Pappkartons für die Schlafstätte, die es dann gut zu verteidigen gilt. Aber seit einiger Zeit bleiben die Touristen aus, die sich doch immer barmherzig zeigten, wenn man sich nicht gleich abwimmeln liess und ein paar Worte in Englisch aus dem Repertoire zauberte. Auch waren in der vergangenen Woche weniger Geschäftsleute unterwegs und vom Nachtleben, das immer ein paar Essensreste und manchmal ein Getränk abwarf, war am ersten Freitagabend im Monat April kaum etwas zu spüren. Dass sich daran in den kommenden Wochen nichts ändern wird, erahnen die, die im Schatten der Hauptstadt Mosambiks leben, noch nicht. Aber sie wissen, dass es nachts bald kälter wird in ihren notdürftigen Behausungen, die sie aufgrund des Ansteckungsrisikos besser nicht verlassen sollten. Denn es herrscht Ausnahmezustand, da bleibt man daheim.