• Roland Hohberg

Der Untergang der Gustloff



Heute gedenke ich der über 9.000 Menschen, die beim Untergang der M/S „Wilhelm Gustloff" am 30. Januar 1945 in der eisigen Ostsee ihr Leben ließen.


Meine Mutter bekam erst viele Jahre später Gewissheit, dass ihr Verlobter, Walter Opitz, Bootsmannsmaat auf dem von sowjetischen Torpedos versenkten Passagierschiff mit Tausenden Flüchtlingen, das Unglück nicht überlebt hat.


Einen Monat zuvor hielt ihr Walter auf seinem Weihnachtsurlaub in Breslau erstmals stolz ihr wenige Tage altes Baby auf dem Arm. Sie entschieden sich, den Jungen Roland zu nennen.


Mein wenige Wochen alter Namensvetter starb fast am gleichen Tag wie sein 22-jähriger Vater, auf Mutters Flucht vor der Roten Armee Richtung Westen.


Auf dem sogenannten "Todesmarsch der Breslauer Mütter" musste sie ihn bei 20 Grad unter Null und eisigem Wind unter einem Schneehügel bestatten.


Hätte ich nicht mehr als 30 Jahre später Mutters Tagebücher gefunden und mit ihr über die Kriegs- und Nachkriegsjahre geredet, große Teile meiner Familiengeschichte wären im Verborgenen geblieben.


Denn die Generation des Schweigens, vor allem in der sowjetischen Besatzungszone, hatte über Flucht, Vergewaltigungen und Plünderungen nicht sprechen dürfen.


Über die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt sollen die Nachgeboren nichts wissen, weil die Tragödie zum Sinnbild des Schicksals deutscher Kriegsopfer geworden ist und man dieser nicht öffentlich gedenken darf.