• Roland Hohberg

Die Abenteuer des Werner Holt




Vor fast einem halben Jahrhundert gehörte der zweibändige Entwicklungsroman der sogenannten „Ankunftsliteratur" in der DDR zur Pflichtliteratur.


Nun habe ich die beiden Bände erneut gelesen und war überrascht über die fehlende Geradlinigkeit auf dem Weg zum Sozialismus, die uns damals verordnet wurde.


Noll hatte mit der Figur des Werner Holt eher versucht, die Um- und Irrwege, die ein Parteigänger des Nationalsozialismus ging, als äußerst widersprüchlich darzustellen.


Schade, dass es unsere Pflicht war den Autor zu lesen, unter den ideologischen Vorgaben und Zwängen des SED-Regimes es aber nicht erlaubt war, Nolls Werk offen zu besprechen.


Allein die letzte Passage hätte vielen Mut machen können:


-„Und wer passt auf dich auf?“ fragte sie. „Du hast es nötiger! Mir wird schwindlig, wenn ich dran denke, was du noch alles anstellen wirst!“


-„Es gibt Menschen“, entgegnete Holt, „denen fällt im Leben alles zu, kampflos, mit Selbstverständlichkeit. Und es gibt andere, denen alles schwer wird, und sie müssen das Dasein minutenweise und sozusagen von innen her durchleben und sich alle Wahrheit mühsam zusammensuchen. Aber sie können

nicht ohne Wahrheit leben und gingen im Irrtum zugrunde. Ich komme aus einer Welt, die mich in einen einzigen Irrtum geführt hat, und ich will aus dem Irrtum heraus in die Freiheit. Ich weiß jetzt, dass der Weg viel weiter ist, als ich mir träumen ließ. Ich habe erfahren, wie es ist, wenn alle Menschen sich abwenden, denn es gibt Irrtümer, die ins Verächtliche führen. Ich fürchte mich nur noch vor einem in der Welt; jemals wieder einsam zu sein. Ich will es durchkämpfen, das Leben und die Zeit, ich fühle mich unverbraucht. Wirst du zu mir halten, wirst du mir helfen?“

-„Solange du kämpfst, solange du dich nicht fallenlässt“, erwiderte sie und sah ihm in die Augen und nickte ihm zu, „solange du guten Willens bist.“