• Roland Hohberg

Die Generation des Schweigens



Wenn am heutigen 27. Januar das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus die Medien bestimmen wird, werden die deutschen Opfer einmal mehr unerwähnt bleiben.


Noch ist vielen Angehörigen der Kriegskinderjahrgänge der Gedanke an die Besonderheit des Schicksals ihrer Generation völlig fremd.


Der Satz »Ich bin ein Kriegskind« fiel äußerst selten, und noch seltener sprach ihn jemand unbefangen aus.


Für unsere Mütter und Väter gab es den Begriff »Trauma« nicht, mit dem sich heute verwirrte, sich selbst bemitleidende "Opfer" der Regenbogen-Generation so gern schmücken.


Dabei hatten Luftangriffe, Tiefflieger, der Verlust von Angehörigen, Vertreibung und Hunger extreme körperliche und seelische Auswirkungen.


Meine Mutter, die mit 23 Jahren aus der Festung Breslau vor der anrückenden Roten Armee fliehen musste und für immer ihre Heimat verlor, hatte nie über ihr Schicksal gesprochen.


Erst als ich ihre Tagebücher fand und das Gespräch über die Vergangenheit suchte, war sie bereit, mit mir offen über das Erlebte zu sprechen, ohne je den Anspruch zu erheben, Opfer zu sein.


So lernte ich zu begreifen, was es bedeutete, vor den Bolschewisten zu fliehen, um dann an einem vermeintlich sicheren Ort von ihnen beherrscht und missbraucht zu werden, vor einer Diktatur zu fliehen und einer anderen in die Arme zu laufen.


2002 als Günter Grass seine Novelle »Im Krebsgang« veröffentlichte, begann ein zögerlicher Diskurs über die heikle Thematik: »Die Deutschen als Opfer«.


Doch werden die deutschen Kriegskinder heute, zwanzig Jahre nach diesem mutigen Schritt, gedemütigt und öffentlich verhöhnt, statt endlich Würdigung zu erfahren.


Wir, ihre Kinder, suchen unter der Last von Schuld und Scham als Folgen der Naziverbrechen, des Holocaust, noch immer nach Antworten.


Wir suchen nach seelischer Befreiung und später Gerechtigkeit.


Dafür wird uns von diktaturbesessenen Machthabern und ideologieverseuchten Medien vorgeworfen, deutsche Schuld relativieren oder Leid gegen Leid aufwiegen zu wollen.


Sie wiegeln Kinder und Jugendliche auf, uns und unsere Eltern als Nazis zu beschimpfen.


Angefeuert von linken Propagandisten, heimatlosen Deutschlandhassern, Antifa-Sympathisanten und unter dem Beifall eines Bundespräsidenten, der die Zeit der Flucht, der Verfolgung, der Entbehrung, des mühsamen Wiederaufbaus vergessen zu haben scheint.


Sie wollen verhindern, dass wir der Generation des Schweigens öffentlich gedenken.