• Roland Hohberg

Die weissen Retter

2003 wurde in Maputo erstmals aus öffentlichen Mitteln des deutschen Steuerzahlers das Rückkehrerzentrum ICMA finanziert, nachdem 1996 ein Zentrum mit fast gleichem Namen (CIMA) vom deutschen Außenminister Klaus Kinkel zwar eingeweiht, dann aber nicht finanziert wurde.


Gemäß aller Unterlagen war das ICMA eine entwicklungspolitisches Maßnahme für die Wiedereingliederung der 13 Jahre zuvor aus Deutschland abgeschobenen mosambikanischen DDR-Vertragsarbeiter und Studenten.


Im ICMA Maputo bekam eine jetzt in Thüringen lebende "Entwicklungshelferin" über 12 Jahre 100.000 Euro im Jahr + Dienstwohnung, 22.000 Euro Mietkostenzuschuss im Jahr, Dienstfahrzeug, bezahlte Flugreisen etc.


Nebenbei besorgte sie gleich noch eine Einstellung für ihren Mann und ein paar Freunde, die aus Deutschland und Österreich anreisten.


Ihre mosambikanischen Kollegen hingegen verdienten im Jahr zwischen 1.000 und 10.000 Euro.


Der Fall wurde vor 3 Jahren bei den deutschen Finanzbehörden, der GIZ und dem Auswärtigen Amt angezeigt. Passiert ist bis heute nichts.


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Dazu ein lesenswerter Artikel über die "Weißen Retter" in dem es ebenfalls um die ungleiche Bezahlung in der Entwicklungshilfeindustrie geht. Seit Jahrzehnten ein Problem, das Geberländer wie Deutschland bis heute bestreiten, das aber in Ländern wie Mosambik zur Realität gehört:


Widerstand in Afrika


Schwarze als Hilfsobjekte, Weiße als strahlende Retter in der Not: Gegen dieses Abziehbild formiert sich in Afrika immer mehr Widerstand. Doch finanziell ändert sich noch kaum etwas.


Eine Hilfsaktion für die britische BBC wurde der Fernsehmoderatorin Stacey Dooley zum medialen Verhängnis: Bei einem Besuch in Uganda posierte sie mit Baby auf dem Arm und postete das Bild auf Instagram.


Damit trat sie einen Shitstorm los. „Man geht zu den ärmsten, den wirklich allerärmsten Menschen bei uns und tut so, als wäre das Afrika“, protestierte die Uganderin Olivia Alaso. Wer helfen wolle, solle doch zunächst einmal die Ugander fragen, welche Hilfe sie sich wünschten. „Dann wird sie auch sehr geschätzt werden.“


Dabei haben weder sie noch ihre (weiße) Mitstreiterin Kelsey Nielsen etwas gegen die Ausländer, wie sie betonen, sondern gegen den Mythos des weißen Retters. Die aus den USA stammende Nielsen war selbst eine von denen, die glaubte, Afrika retten zu können. Mit 23 leitete sie ihre eigene Hilfsorganisation und stellte Alaso ein. Verrückt, sagt sie heute.


„Da gibt es diese Gruppe vor allem junger, weißer Frauen, die voll motiviert sind und es wirklich gut meinen“, erklärte sie im Podcast „Tiny Spark“ ein Extrem der vermeintlichen Hilfe. „Aber sie haben auch eine irre Überzeugung von dem, wozu sie angeblich berechtigt und fähig sind: Probleme auf der anderen Seite der Welt zu bewältigen, deren Lösung man uns zu Hause niemals anvertrauen würde.“ Heute wisse sie: Der Grund, warum sie der Boss und Alaso die Angestellte war, war ihre Hautfarbe und das damit verbundene Privileg.


Schlechte Entwicklungshilfe


Das Ausmaß schlechter Entwicklungshilfe könne nicht unterschätzt werden, glaubt auch Tobias Denskus, der an der Universität Malmö Entwicklungs-Kommunikation unterrichtet. Dass sich nach Jahrzehnten erfolgloser Hilfsrezepte aus dem Ausland Frust aufbaue, versteht er.


Aus dem Frust Konsequenzen gezogen hat Oxfam. Vor drei Jahren kündigte die Organisation an, mit ihrem internationalen Sekretariat nach Nairobi in Kenia zu ziehen. Dabei gehe es um eine interne Machtverlagerung, betont Marion Lieser, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion von Oxfam. „Die drückt sich darin aus, dass es immer mehr Oxfam-Organisationen im Süden gibt.“ Die Idee: Starke Organisationen in den Empfängerländern bestimmen mit, wofür Spenden ausgegeben werden.


Ausländer verdienen neun Mal mehr


Heba Aly sieht darin einen Trend. Die Direktorin des Informationsdienstes „The New Humanitarian“ beobachtet einen unaufhaltbaren Wandel in der einst von weißen Männern dominierten Entwicklungszusammenarbeit. „Solidarität und Hilfe werden immer demokratischer: Am wichtigsten sind diejenigen, die selber Opfer einer Krise sind, sie sind die ersten Helfer.“ Nicht Leute in weißen Landrovern, sondern lokale Organisationen hätten die richtigen Antworten. „Das ist nicht neu, aber wird jetzt endlich anerkannt.“


Das Lob für lokale Helfer schlägt sich bis heute nicht monetär nieder. Ausländer verdienen mit einem Job in der Entwicklungshilfe bis zu neun Mal mehr als Kollegen aus der Region – bei gleicher Qualifikation. Extras wie Schulgeld oder Wohnungszulage sind da nicht einmal mitgerechnet. Das hat eine Studie im Auftrag des britischen Wirtschafts- und Sozialforschungsrats vor drei Jahren ergeben. Und die Studie sagt auch: Einheimische Helfer empfinden diese Ungerechtigkeit als eines der größten Probleme am Arbeitsplatz.


„Keine weißen Retter“ bedeutet in der Entwicklungszusammenarbeit vor allem einen umfangreichen Kulturwandel. Olivia Alaso und Kelsey Nielsen von „NoWhiteSaviors“ wollen es deshalb nicht bei der Kritik belassen. Sie haben eine eigene Hilfsorganisation gegründet, die ugandische Initiativen bündeln und stärken soll. Und natürlich wollen sie unbequem bleiben.