• Roland Hohberg

Mandela

Vor etwa 20 Jahren besuchte ich Robben Island, die berüchtigte Gefängnisinsel 12 Kilometer vor Kapstadt. Heute ist die Haftanstalt eine Gedenkstätte, die Insel Weltkulturerbe der Menschheit.

Hier saßen Nelson Mandela und andere Apartheid-Gegner viele Jahre ein und mussten im Steinbruch arbeiten.


1974 wurde der Steinbruch infolge internationaler Proteste geschlossen. Bis dahin hatten die Häftlinge täglich acht Stunden lang Steine für den Straßenbau gehauen. Eine Höhle diente als Pausenraum. Der gleißend helle Kalkstein verdarb nicht nur Mandelas Augenlicht für immer.


Die authentische Erinnerung an die Inselgeschichte wird von den Touristenführern wachgehalten – es sind teils ehemalige Gefangene. Täglich erzählen sie ihre Hafterlebnisse und zeigen die Orte ihrer Qual.


Wenige Monate nach dem Besuch der Gedenkstätte, durfte ich Mandela zum ersten Mal begegnen, ausgerechnet in Sun City, anlässlich einer Gala zur Nominierung meiner Band "Mabulu" für die Kora Awards.

Im südafrikanischen Apartheidregime, das auch von der Bundesrepublik unterstützt wurde, herrschte eine weiße Minderheit durch Unterwerfung und Entrechtung brutal über die nicht-weiße Mehrheit.


Zur Umgehung des Boykotts während der Apartheid gab es das Luxus-Urlaubsressort Sun City in Bophuthatswana.

Hierhin wurden die größten Entertainer und Musiker der Welt eingeladen, und sie kamen gerne für ein Luxushonorar in Millionenhöhe: Paul Simon, Rod Stewart, Elton John, Frank Sinatra und Queen.


Die perfide Erklärung von Paul Simon wurde zu einem der finstersten Momente der Musikgeschichte: Er stehe auf der Seite der Kunst, nicht der Politik.


Ganz anders der Gitarrist Steven Van Zandt, Mitglied von Bruce Springsteens E-Street-Band.


Zusammen mit dem Produzenten Arthur Baker produzierte er den Protestsong „Sun City“. Bruce Springsteen, Lou Reed, Bob Dylan, Miles Davis und andere gaben in dem Song das Versprechen ab, nicht in Sun City aufzutreten.


In mir herrschte deshalb ein Gefühlschaos, Mandela ausgerechnet an diesem Ort zum ersten Mal zu begegnen.


Doch das Schicksal meinte es gut. Jahre später, im Juli 2008, durfte ich Mandela erneut treffen und sogar ausführlich mit ihm sprechen.


Als Geschenk zu seinem 90. Geburtstag schrieb ich einen Song und nahm ihn mit der Gruppe meiner Tochter Katia auf.

Der Widerstandskämpfer bedankte sich mit einem Autogramm und sprach mir im Kampf gegen Rassismus und für die Rechte der Kinder Mut zu.


Nach dem Auftritt anlässlich der Geburtstags-Gala in Maputo entstand das Foto mit den Mädchen und dem trotz aller Entbehrungen noch kräftig wirkenden Geburtstagskind Nelson Mandela.