• Roland Hohberg

Ruhe vor dem Sturm?

Updated: Apr 9

Seit gestern gilt in Südafrika, dem Nachbarland von Mosambik, eine dreiwöchige Ausgangssperre. Der kommerzielle Flugbetrieb wurde eingestellt und die Landesgrenzen geschlossen.

Nach der Schließung der Minen in Südafrika und der Bekanntgabe der Maßnahme, sind in nur wenigen Tagen zigtausende Mosambikaner über die Grenze in ihre Heimat zurückgekehrt. Der Andrang der Menschenmassen war so groß, dass eine normale Grenzabfertigung oder gar Corona-Kontrolle nicht möglich war. Das wird nicht ohne Folgen bleiben und das Ausbreitungsrisiko drastisch erhöhen.

Wie in Europa wurden auch in Mosambik bereits die Schulen geschlossen, Reisen eingeschränkt und größere Versammlungen verboten. Der florierende Handel zwischen Südafrika und Mosambik wird zum Erliegen kommen und schon bald große Ernährungsengpässe nach sich ziehen. Bereits in den letzten Tagen sind bei einigen Produkten die Preise gestiegen.

Für viele erscheint es verwunderlich, dass die afrikanischen Staaten bislang noch immer vergleichsweise wenige Corona-Fälle zählen. Das könnte einerseits die Ruhe vor dem Sturm sein oder an einer hohen Dunkelziffer bei der Erkennung von Infizierten liegen.

Besorgnis löst hier das marode und unterfinanzierte Gesundheitssystem aus. Nahezu überall südlich der Sahara mangelt es an Krankenhäusern, medizinischem Material und dem entsprechenden Fachpersonal.

Während in Deutschland laut WHO-Daten auf 10.000 Einwohner im Schnitt 42 Ärzte aller Fachrichtungen kommen, sind es im für afrikanische Verhältnisse gut versorgten Südafrika nur 9, in Mosambik kaum mehr als 1 Arzt.

Doch ist die medizinische Seite nur ein Aspekt im Umgang mit gesundheitlichen Krisen. Der afrikanische Kontinent hat nach zahlreichen schweren Belastungen vielleicht mehr als andere Weltgegenden die Erfahrung gemacht, dass Respekt gegenüber Erkrankten und Mitgefühl in besonderer Weise erforderlich sind, um Krisen gemeinsam zu überwinden.

Die Ebola-Ausbrüche der vergangenen Jahre sind nur ein Beispiel. Im Grundsatz erfordern auch HIV/Aids, Malaria oder Cholera ein besonderes Maß an Solidarität mit den Schwächsten.

Ohne sie sind die Probleme, die auf Länder wie Mosambik zukommen nicht zu bestehen.