• Roland Hohberg

Tsitsi Dangarembga - Aufbruch

Diesen Roman möchte ich allen empfehlen, die an der Thematik des Kampfes junger afrikanischer Frauen um Selbstbestimmung in einer von Kolonialismus und vom Patriarchat geprägten Gesellschaft interessiert sind.


"Aufbrechen" schildert den zähen Kampf des Mädchens Tambu um höhere Bildung und wie sie allmählich dem Stammes- und Dorfleben entschlüpft.


2018 wurde der Roman in die BBC-Liste der "100 Bücher, die die Welt geprägt haben" aufgenommen.


Tsitsi Dangarembga gilt als eine der radikalsten weiblichen Stimmen des afrikanischen Kontinents.



Auszug:


Mit sieben Jahren kam Nhamo in die Schule. Die Regierung hatte beschlossen, dass afrikanische Kinder dieses Alters geistig genügend entwickelt waren, um die Abstraktion von Zahlen und Buchstaben zu verstehen: 1 + 1 = 2; k-i-t-s-i = kitsi. Nhamo war einer der Jüngsten in seiner Klasse. Vielleicht glaubten andere Eltern wirklich, wir seien ein zurückgebliebener Haufen, und zogen es vor, die Fähigkeiten ihrer Kinder noch etwas reifen zu lassen, ehe sie der Strenge der Schulbildung ausgesetzt wurden. Und natürlich war es eine Frage der Schulgebühren. Was auch immer der Grund war, viele von uns kamen erst mit acht oder neun in die Schule, doch durch Babamukuru gab es in unserer Familie einen Präzedenzfall für frühe Einschulung; er hatte es zu einem Bachelortitel in Südafrika gebracht und wusste folglich sehr viel über Erziehung. „Sie sollten früh anfangen“, sagte Babamukuru meinem Vater, „solange ihr Verstand noch formbar ist.“ Unweigerlich kam Nhamo also mit sieben in die Schule, und ich, die ein Jahr jünger war, folgte im Jahr darauf.


Nun fiel die Ernte aus irgendeinem Grund in dem Jahr meiner Einschulung trotz ausreichender Regenfälle sehr mager aus. Obwohl wir genug Mais geerntet hatten, um nicht zu verhungern, blieb nichts zum Verkauf übrig. Das bedeutete, dass es zu Hause kein Geld gab. Kein Geld bedeutete keine Schulgebühren.