• Roland Hohberg

Wider das Vergessen

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war für meine Mutter, die ihn miterlebt hat, als Heimatvertriebene, unbeugsame Anti-Kommunistin und Wahlverweigerin eines der wichtigsten Ereignisse nach dem 2. Weltkrieg.


Mein Großvater wurde nach dem Aufstand von sowietischen Soldaten der benachbarten Garnisonsstadt, im Volksmund "Klein-Moskau" genannt, schwer gefoltert und aus dem Gemeindeleben ausgegrenzt.


Zahlreiche Menschen wurden getötet, Hunderte schwer verletzt, Tausende kamen in Haft. Zügig führten neben den DDR-Gerichten auch sowjetische Militärtribunale die Prozesse.


Das SED-Unrechtsregime hat diesen Aufschrei für bessere Lebensbedingungen, für Freiheit und Demokratie brutal niedergeknüppelt und zur Unterstützung sowjetische Panzer und Truppen angefordert.


Die SED-Führung war überfordert und hatte statt den Dialog zu suchen mit Härte reagiert und den Ausnahmezustand verhängt.


Mit massivem Einsatz des Militärs, der "Volks"polizei und der Stasi wurde der Aufstand niedergeschlagen.


Der 17. Juni 1953 hat auch meine politische Einstellung geprägt, obwohl ich erst 7 Jahre später geboren wurde und im Schulunterricht darüber nicht gesprochen werden durfte.


Es kommt nicht von ungefähr, dass dieser Tag des Aufbegehrens in Deutschland kaum gewürdigt wird.