• Roland Hohberg

Wiedersehen nach 15 Jahren

Als mich im Mai 2005 Freunde aus Prag in Mosambik besuchten, haben wir uns in meinem grad fertiggestellten Haus für mehrere Tage auf eine Zeitreise begeben.


Eine Reise zurück in die 1980er, die spannenden Jahre der Ungewissheit, später mit so vielen prägenden Erinnerungen verbunden.


Erinnerungen an die Protestaktionen gegen das kommunistische Regime, als ich vor Mut strotzte weil ich nach Jahren des Wartens auf die Genehmigung meines Ausreiseantrags eine Inhaftierung nicht mehr fürchtete.


Erinnerungen an die Arbeit für die Zeitung "Lidove Noviny", die mir ebenso viel bedeutete wie mein Mitwirken beim "Leipziger Anschlag".


Erinnerungen an die heimlichen Treffen mit Václav Havel, unserer Symbolfigur des gewaltlosen Widerstands, voller Lebensmut und doch bereits gezeichnet von jahrelanger Haft und Repressalien.


Erinnerungen an unsere illegale Arbeit auf der Karlsbrücke und vor dem Theater "Laterna Mágica", wo sie immer wieder versuchten, uns zu vertreiben. Ein Job der uns ein Einkommen bescherte, das für viel mehr als nur zum Überleben im Sozialismus reichte.


Erinnerungen an Kafka-Lesungen, Nächte voller Poesie in der Prager Altstadt und die Erleichterung wenn es uns wieder gelungen war, Westliteratur auf Umwegen in die DDR zu schmuggeln.


Meine Prager Freunde waren überrascht, dass es die gesammelten Werke von Friedrich Nietzsche und Paul Celan bis nach Afrika geschafft hatten.


Sie berichteten, dass Havel immer wieder öffentlich beklagt hatte, dass das kommunistische Erbe in der Politik und der Gesellschaft weiterlebe, eine Erfahrung die ich auch in Mosambik machen musste.


Heute, 15 Jahre nach unserem Wiedersehen, bestimmt kommunistische Ideologie stärker denn je die deutsche Politik. Das Land verfällt wieder dem Wahn blinden Gehorsams und stalinistischer Diktatur.