• Roland Hohberg

Zensur von Kinderliedern

Bereits in den 1990er Jahren sorgte ich im post-kommunistischen Mosambik mit der Gründung der ersten privaten Musikfirma und der Eröffnung eines nicht-staatlichen Aufnahmestudios für viel Unbehagen bei den Kulturbehörden und für Missgunst bei linientreuen Künstlern.


Im Studio meiner Firma "Mozambique Recording Ltd" bekamen mosambikanische Musiker, unabhängig von Parteizugehörigkeit oder einem Verwandtschaftsverhältnis zu Staatsfunktionären, preiswerte Probe- und Aufnahmemöglichkeiten.


Kosteten seinerzeit Aufnahmen im Studio des staatlichen Rundfunksenders "Rádio Moçambique RM" stolze 85 US Dollar pro Stunde, konnten Musiker im "Estùdio de Roland" zum Stundensatz von 10 US Dollar ihre Songs einspielen. Das Probestudio war gratis.


Zensurbeschränkungen gab es keine und stilistisch war alles erlaubt. Auch die bis dahin geschmähten Rap- und Rockmusiker konnten nun ihre Alben aufnehmen.


Einen für mosambikanische Verhältnisse extremen Tabubruch aber leistete ich mir viele Jahre später mit den Aufnahmen für die erste Edition eines Albums für Kinder und Jugendliche.


Bis dahin gab es keine Songs zu Kinderrechten und Themen wie Zwangsheirat oder Frühschwangerschaft, keine Lieder die Kindern Mut machten an ihr Talent zu glauben oder Mädchen aufriefen, beim Schuldirektor sexuelle Übergriffe von Lehrern anzuzeigen.


Ich reiste mit dem Flugzeug oder mit meinem mobilen Aufnahmestudio durch das Land und fand viele talentierte Kids und Teens.


Einige Aufnahmen entstanden nach dem Unterricht in Turnhallen oder Klassenzimmern, andere an Wochenenden in einem Park oder am Strand. Die Castings stießen auf großes Interesse und die jungen Talente waren solz bei dem Projekt mitwirken zu können.


Doch sollte der letzte der 19 für das Album "Seguindo Sonhos Vol.1" ausgewählten Songs dazu beitragen, dass das Album der staatlichen Zensur zum Opfer fiel und sogar das Kinderhilfswerk UNICEF in Mosambik die Finanzierung zur Pressung von 5 Tausend CDs verweigerte.


Dabei drückt der Song "O País É Nosso" (Das ist unser Land) sehr viel Heimatverbundenheit aus.


Vier Mädchen der Band "Seguindo Sonhos", die auch schon vor Nelson Mandela auftreten durften, besingen die Schönheit ihrer Heimat Mosambik, die es zu bewahren gilt.


Nach dem Gesangsteil warnt der Rap-Part davor, dass diese Heimat bedroht ist, weil die Machthaber meinen, dass Mosambik ihnen allein gehört und den Reichtum des Landes im Ausverkauf verhökern.


Für diesen Teil ist der populäre, regimekritische Rapkünstler Azagia verantwortlich. Dessen Songs gegen Korruption, Diktatur und die Verletzung von Menschenrechten stehen in Mosambik auf dem Index.


Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Albums, das ich in kleiner Stückzahl von 100 Exemplaren pressen ließ, stand auf einem Parkplatz in Maputo mein mobiles Studio in Flammen.


https://www.roland-hohberg.com/seguindo-sonhos