• Roland Hohberg

Zwischen Volksaufstand und Gebermillionen

Nun meldet Mosambik, ein Land in dem jährlich zigtausende Menschen an Hunger, Malaria, Aids oder Cholera sterben, den ersten Corona-Toten.


Sofort wurde dies zum Thema der Woche erklärt und selbst im Ausland zur Schlagzeile, obwohl gar nicht sicher ist, dass Covid19 tatsächlich der Auslöser des Versterbens war.


Es handelt sich um ein 13-jähriges Kind aus der Nordprovinz Nampula, welches nach Aussage der Gesundheitsdirektorin Rosa Marlene bereits 3 Monate zuvor wegen Husten und Fieber im Krankenhaus behandelt wurde.


Nampulas Bürgermeister der Oppositionspartei Renamo Paulo Vahanle forderte sofort eine Klarstellung. Zweifel über Zahlen und Statistiken sind im post-kommunistischen Land angebracht.


Am 22. März hatte Gesundheitsminister Armindo Tiago den ersten COVID-19-Fall in Mosambik bestätigt. Es handelte sich um einen mosambikanischen Staatsangehörigen im Alter von 75 Jahren, der von einer Reise in das Vereinigte Königreich zurückgekehrt war.


Sofort wurde spekuliert, es könnte sich nur um den Bürgermeister der Hauptstadt Maputo Eneas Comiche handeln, der sich bei seiner Rückreise offensichtlich keiner Kontrolle unterzogen hatte. Dieser aber stritt das entschieden ab.


Die Identität des ersten Corona-Infizierten Mosambiks wäre wohl für immer verschwiegen worden, hätte dieser nicht seine Frau Lúcia Comiche angesteckt, die das Geheimnis schliesslich preisgab.


Mit Wirkung vom 23. März erließ der mosambikanische Präsident Filipe Nyusi landesweite Schutzmaßnahmen gegen die Virusausbreitung und forderte die Bevölkerung zur gewissenhaften Einhaltung von Hygieneregeln auf.


Am 1. April dann wurde der Notstand ausgerufen. Das soziale Leben wurde zurückgefahren.


Auch die Schulen wurden geschlossen, was man im Land allerdings von Naturkatastrophen gewohnt ist oder wenn zu den Wahlen Klassenräume als Wahllokale gebraucht werden.


Massive Ausgangsbeschränkungen jedoch wurden noch nicht verhängt. Gewiss aus Angst vor einem Volksaufstand.


Die Entscheidung über einen möglichen Lockdown ist eine Gratwanderung zwischen der Gefährdung von Menschenleben und der Zerstörung familiärer Existenzen und zahllosen Hungertoten.


Ein Jahr nach der letzten größeren Flutkatastrophe durch den Wirbelsturm "Idai" geht es natürlich auch wieder um Nothilfe aus dem Ausland.


Der Finanzminister Adriano Maleiane hat den Geberländern sehr schnell eine Rechnung über 700 Millionen US-Dollar serviert ohne einen konkreten Maßnahmeplan vorzulegen.


Eine langfristige Prognose über die Entwicklung und die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Mosambik ist angesichts der vielen Unbekannten nicht möglich.


Fest aber steht, dass sich die Zahl der Beatmungsgeräte im Land auch dann nicht erhöhen wird, wenn der Finanzminister seine 700 Millionen bekommt.


Momentan sind es 30. Ein Beatmungsgerät für eine Million Mosambikaner.


Gerade im Gesundheitsbereich hat sogenannte Entwicklungshilfe völlig versagt.