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„Wenn wir einen Titel feiern, wird viel getanzt werden“

Der Exil-Leipziger Roland Hohberg gründete 2017 in Mosambik den einzigen Fanclub von RB Leipzig auf dem afrikanischen Kontinent. Im Interview spricht der 59-Jährige über Titelchancen, seinen nächsten Besuch in Leipzig und die alltäglichen Probleme bei der Fanclubarbeit.

Interview: Thomas Fritz

Frage: Mosambik wurde im vergangenen Jahr von zwei verheerenden Wirbelstürmen heimgesucht. Waren Sie und der Fanclub auch davon betroffen?

Hohberg: Leider ja. Die Stürme haben das Dach des Veranstaltungsraums unseres Fanclubs in Massaca zerstört und einen Teil des Gästehauses “Lípsia Tropical” beschädigt, das wir hier für reiselustige und sonnenhungrige Leipziger und speziell für RB-Fans aufbauen und nun renovieren müssen. Als Musikproduzent, Talenteförderer und Ausbilder junger Tontechniker war ich aber auch ganz persönlich von der Umweltkatastrophe betroffen, weil mein Aufnahmestudio in der Hafenstadt Beira zerstört wurde. Dadurch wurde ich von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Ohne Versicherungsschutz und arbeitsrechtliche Entschädigungen.

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Frage: Sie waren daraufhin in Leipzig einige Monate als Saisonarbeiter tätig.

Hohberg. Genau. Da ich sowieso geplant hatte, zum Saisonende im Mai 2019 unsere Mannschaft zu unterstützen und wir dann sogar ins Pokalfinale einzogen, blieb ich gleich mehrere Monate in Leipzig, um etwa Geld zu verdienen. Bei der Gelegenheit organisierte ich das erste Leipziger Mosambik-Fest – als Dankeschön an die RB-Fans, die nach der Umweltkatastrophe im Rahmen der Mosambik-Hilfe über Fünftausend Euro an drei gemeinnützige Vereinigungen gespendet hatten, mit denen wir zusammenarbeiten und die unser Vertrauen genießen. Dabei kam die Idee auf, jährlich in Leipzig ein solches Fest zu organisieren, was aber noch finanziell abgesichert werden muss.

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Frage: Kam vom Verein Unterstützung nach der Umweltkatastrophe?

Hohberg: Trotz der zahlreichen Medienberichte über die Katastrophe in Mosambik hat sich niemand vom Verein beim einzigen afrikanischen RB-Fanclub erkundigt, ob dieser vielleicht Hilfe benötigt. Auch unser Mosambik-Fest, das nach ersten Absprachen eigentlich auf der Festwiese vor dem Glockenturm stattfinden sollte, musste mangels Unterstützung abgesagt werden und fand dann in kleinerem Rahmen an einem anderen Veranstaltungsort statt. Seit unserer Gründung vor drei Jahren haben wir nur von Fans Unterstützung erfahren.

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Frage: Was wird denn am dringendsten benötigt?

Hohberg: Die Kosten für die Organisation eines Fanclubs in einem der zehn ärmsten Länder der Erde, welches sich seit Jahren in einer schweren Finanzkrise befindet, sind nicht unerheblich. Neben den Anschaffungskosten für die Großbildprojektion, um die Spiele verfolgen zu können, den Bau eines Vereinsraums und die Anschaffung des Mobiliars, fallen jährlich laufende Kosten für die Spielübertragungen, die Verwaltung einer Webseite, für Flugreisen, Internet und die Organisation von Veranstaltungen an.

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Frage: Sie engagieren sich auch in der Förderung des Mädchenfußballs. Was genau tun Sie da?

Hohberg: Wir haben ja im vergangenen Jahren aus eigenen Mitteln mit dem Aufbau des Sport- und Freizeitzentrums “Milorho” begonnen. Wir wollen in diesem Projekt generell zur Sportförderung und Aufklärung beitragen. Vor allem fokussieren wir auf die Förderung junger Mädchen, die Stärkung ihres Selbstbewusstseins, die Organisation von Workshops zu Themen wie Zwangsheirat, Frühschwangerschaft und Aids. Sport ist vor allem in Ländern wie Mosambik eine wichtige Kompenente der Entwicklungszusammenarbeit.

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Frage: Stehen Sie zu anderen Fanclubs in Kontakt?


Hohberg: Ja, ich pflege viele Kontakte. Unter anderem mit Kuba, wo es auch einen RB-Fanclub gibt und mit Anhängern von Red Bull Bragantino, dem brasilianischen RB-Verein. Der Fanclub REDVOLUTION e.V. hat kürzlich eine Fanclub-Partnerschaft mit uns beschlossen. Wir stehen bereits seit einem Jahr in engem Kontakt und sind froh, dass Fussball und die gemeinsame Leidenschaft für RB uns so verbindet und uns Mitglieder dieses Leipziger Fanclubs in diesem Jahr besuchen.

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Frage: Wann werden Sie wieder nach Leipzig reisen?

Hohberg: Wenn alles gut geht im Mai – und zwar zum ersten Mal mit meinem 10-jährigen Sohn Neo. Er ist gewiss einer der jüngsten RB-Fans auf dem afrikanischen Kontinent. Die Reise hatte ich ihm für sein gutes Schuljahresabschlusszeugnis zum Jahresende versprochen. Wir haben bereits Karten für das letzte Heimspiel am 9. Mai gegen Dortmund. Seine größten Vorbilder sind Yussuf Poulsen und Péter Gulácsi, die wie viele andere Spieler bereits sein RB-Trikot signiert haben. Nun träumt er natürlich davon, ihnen beim Training im Cottaweg einmal persönlich gegenüberzustehen und ein Foto zu machen.

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Frage: Glauben Sie, dass RB im Meisterrennen am Ende die Nase vorn haben wird?

Hohberg: Unser Verein ist völlig verdient Tabellenführer der Bundesliga und nun der Gejagte. Auch in der Champions League haben wir trotz unserer Ausfälle im Defensivbereich berechtigte Hoffnungen auf ein Weiterkommen ins Viertelfinale. Wie weit wir es im DFB-Pokal bringen können, haben wir bereits in der vergangenen Saison gezeigt. Die hervorragende Aufbauarbeit von Ralf Rangnick wurde von Julian Nagelsmann und Sportdirektor Markus Krösche weitergeführt und perfektioniert. Wir gehören verdient zu den Titelanwärtern.

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Frage: Werden Sie mit den rund 50 Mitgliedern des Fanclubs – darunter auch ehemalige DDR-Vertragsarbeiter – das Spiel gegen Union Berlin verfolgen?

 



Hohberg: Die aktuelle Situation hier in Mosambik mit den Schäden aus dem Vorjahr bedeutet für unseren Fanclub erstmal, dass wir räumlich sehr eingeschränkt sind. Bei der Spielübertragung am Samstag gegen Union müssen wir improvisieren. Es ist Regen angesagt und auch der späte Spielbeginn wird gewiss einige unserer Fans davon abhalten, die fast zweistündige Fahrt auf sich zu nehmen.

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Frage: Sie sind Musiker und Musikproduzent. Woran arbeiten Sie aktuell?

Hohberg: Derzeit arbeite ich in meinem Homestudio hier in Massaca an den Songs für das Album “Lípsia Tropical”, das musikalisch viel Sonne und Lebensfreude verspricht. Gemeinsam mit Musikern aus Afrika, Lateinamerika und der Karibik entstehen Songs mit tropischen Rhythmen über die Weltoffenheit der Stadt Leipzig, über die kulturelle Vielfalt von RB und weltweite Fanleidenschaft. Vielleicht gelingt uns ja sogar ein Sommerhit und es wird deutsche Versionen einiger Songs geben. Musikerkollegen in Leipzig stehen bereits in den Startlöchern.

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Frage: Und dann präsentieren Sie die Lieder im Mai bei der Meisterfeier auf der Bühne?

Hohberg: Das wäre natürlich ein Traum. Wenn wir vor dem Alten Rathaus oder auf der Festwiese vielleicht einen Titel feiern können, wird auf jeden Fall viel getanzt werden. Und vielleicht klappt es dann auch, dass wir den Status als Offizieller Fanclub erhalten.