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  • Writer's pictureRoland Hohberg

Nicht mein Antirassismus


Wenn ich lese oder höre, dass man sich in dieser Gesellschaft als »Nicht-Weißer« in ständiger Lebensgefahr befinde und dass das Leben an einem seidenen Faden hänge, dann frage ich mich ernsthaft, ob ich mit denen, die solche Szenarien entwerfen, im selben Land lebe.


Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Antirassismus-Akteuren und eine Reihe von Menschen, die sich selbst als »People of Color« (dazu später mehr) beschreiben und in den Medien, in Workshops, Vorträgen und Podiumsgesprächen ein zu schlechtes Bild von Deutschland zeichnen. Manchmal stutze ich über das, was sie sagen und schreiben. Ich ertappe mich dabei, dass ich an mir zweifele und denke, sie haben recht und ich habe eine rosarote Brille auf, durch die ich mir dieses Land anschaue.


Bei etlichen, die sich zu Wort melden, werde ich aber auch den Verdacht nicht los, dass sie zu dick auftragen mit Rassismus und Diskriminierung – aus Kalkül, Kränkung oder anderen Ressentiments heraus und möglicherweise gar, um das persönliche Scheitern zu überdecken.


Was kann man jenen entgegnen, die immer neue Fronten schaffen zwischen »ihr« und »wir«, »schwarz« und »weiß«, »privilegiert« und »marginalisiert«, »Täter« und »Opfer«, den »Guten« und den »Bösen«?


Es braucht die Fronten nicht, es braucht kein Entweder-Oder, ich tue mich schwer mit der Freund-Feind-Schablone und den Täter-Opfer-Zuschreibungen.


Ich beobachte im privaten und beruflichen Umfeld: Die Unbefangenheit schwindet, die Begegnungen werden krampfhaft. Gerade aus der Neugier, die Menschen dazu brachte, mir Fragen zu stellen, entstanden tolle Gespräche und auch Freundschaften, öffneten sich Fenster in andere (Gedanken-)Welten. Es haben nicht nur die, die etwas über meine Herkunft wissen wollten, so manches Neue erfahren, sondern auch ich habe sehr viel von den anderen gelernt.


Nicht zuletzt bin ich die, die ich bin, auch durch diese unbefangen geführten Unterhaltungen geworden: eine akkulturierte Frau türkischer Herkunft, die ihr Zuhause in Hanau gefunden hat. Ausgerechnet in der Stadt, die zum Symbol für den allgegenwärtigen Rassismus in Deutschland geworden ist, fühle ich mich sicher und wohl!


CANAN TOPÇU

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